Recken und Maiden zu Asfalon - Larp Interessengemeinschaft
Mitten in den Wäldern, die noch zu den Landen des Pelindur gehören, findet sich eine kleine Hütte. Aus Holz ist sie, recht stabil und erinnert an ein Hexenhäuschen durch ihre markante Dekoration, die aus Schädeln, gruseligen Figuren und Windspielen besteht. Außen findet sich ein Kräuterbeet und etwas abseits ein mit Holz ummanteltes Plumpsklo. Das von innen scheinende, warme Kerzenlicht lässt darauf schließen, dass dies Haus nicht unbewohnt ist.
Als sie die Konzentration verlor, wurde die Landschaft klarer. Das Bild, das er in ihre Gedanken pressen wollte traf auf immer weniger wiederstand. Sie sah hinter ihm Wasser, Meer oder ein großer See. Die anderen Bewegungen waren undeutlich geworden und erloschen. Der Himmel gewann sogar an Farbe. Die Berggipfel waberten noch, es wirkte skuril, wie ein Lebewesen, scheinbar hatte Fhenirr hier wirklich Probleme mit seiner art von Magie. Da stiegen Vögel auf, Es wirkte alles wie zur Morgenstund, vernebelt und fahl. Wenn sie sich weiter aus der konzentration bringen ließe, würde sie wohl anfänglich die Morgenluft zu riechen glauben und die kälte in ihre Kleider fahren spüren. "Bleib bei der Sache..." zischte er im Flüsterton.
Marushyas Augenlider wurden immer schwerer, der Körper sackte ein wenig mehr zusammen. Von außen betrachtet sah sie wohl etwas aus wie ein nasser Mehlsack mit Augen und Geistesstörung, der ungläubig geradeaus starrte. Dass das Bild klarer wurde, erstaunte die junge Frau zunehmend, nurmehr blinzelnd sah sie die Vögel und die verschwommenen Berggipfel an. Fhenirr selbst nahm sie indess gar nicht mehr wahr, es existierte plötzlich nur noch alles das, was um ihn herum war. Die "Lücke", bestehend aus Realität, verschwand so ähnlich wie die eigene Nase aus dem Blick, wenn man beide Augen offen hatte. Die Kälte begann sie gerde zu spühren (den Morgenluftduft jedoch noch nicht), als sie aufschreckte. Der bis eben nicht mehr existente Fhenirr schob sich wieder in ihren Blick, der imaginäre Hintergrund verschwomm im Ganzen, drohte transparenter zu werden. "Was...?" Sie schien völlig perplex, als hätte sie seine Worte an sich gar nicht vernommen.
Das Bild, das er ihrem Geiste unterschob löste sich auf, waberte und verschwand im Rauch als hätte man die Farben auf ihn selbst gepinselt, bis es zum einheitlichen grau im Kerzenschein wurde. "Du hast sie nicht bemerkt oder?" Er fragte mit einem Blick über die Schulter, als wäre da noch jemand im Raum gewesen. "Sie ist wegen dir hier, wusstest du das?" flüsterte er ihr entgegen. Er konnte tatsächlich die Stimme unten halten ohne zu zischen und zu meckern, fast zumindest... "Hast du das Bild gesehen? Hast du sie auch gesehen? Oder kämpfst du noch mit dem Kraut?" Er grinste bei letzterer Frage, sprach langsam und wollte wohl keine Unruhe in das ganze Bringen. Hinterher murmelte er etwas, was es war, verstand sie wohl nicht. Es war diese Sprache in der er auch immer Schrieb oder beim Meditieren sprach, wenn es kein anderer lesen sollte. Die aus seiner Heimat. "Di ver drak, bran berain tach makal..." und schloss wieder die Augen, drängelte nicht nach einer Antwort, lies ihr aber Luft dafür.
Zum Antworten kam sie zunächst nicht, mehrere Attacken von nach Luft ringendem Husten suchten sie heim. "Sie? W-... Was...? I-... Ich muss... r... h..." Es ging nicht mehr. Die Augen tränten, der Hals zog sich zusammen als wäre er so nass wie Wüstensand. Der Drang, jetzt einfach aufzustehen und sich an die frische Luft zu retten, war enorm. Nicht weil sie sich übergeben musste, sondern einfach um einen einzigen Atemzug frischer Luft zu bekommen. Marus Arm schnellte nach oben und zeigte gen "Tür", da sie bei jedem neuen Ansatz zu sprechen wohl erneut halb erstickt wäre. Aber sie stand nicht auf, wartete erst auf Antwort des Sartyrs, um nicht versehentlich etwas zu zerstören, was sich vielleicht gerade erst entwickelte. Ihre andere Hand krallte sich Halt suchend an ihren Rock, als nun anstelle des wabernden Rauches plötzlich alles um sie herum zu schwanken begann und sie dabei das Gefühl hatte, umzukippen.
"Meine liebste ist immer bei mir..." flüsterte er verschwörerisch entgegen. Kurz darauf warf ihr der Satyr eine Lederflasche in den Schoß, gefüllt mit einer süßlichen Flüssigkeit, Traubensaft der ein wenig angegoren war. "Trink und atme... atme ruhig." zischte er ihr entgegen. Er wedelte mit der Hand den Rauch durcheinander und musterte die junge Frau skeptisch, vielleicht war das eine Art aufforderung sich zu entscheiden, eine Provukation. Sie könne einfach hinaus gehen oder durchhalten. "Du hast sie nicht gesehen nichtwahr? Du hast dich ablenken lassen von den Bildern die ich dir vorgaukelte. Du hast die nicht einmal realen Bilder voooooorgezogen. Du wirst hinter die Fassade sehen müssen." er lachte leise krächzend. "Bleibst du, und willst lernen, zeige ich dir immer schrecklichere Dinge, denen du nur entkommst, wenn du annimmst ihre Bewegungen hinter dem Schauspiel wahr zu nehmen." Die Mundwinkel zuckten Amüsiert und leiteten den üblichen meckernden Ton ein. "Mehr als angehender Wahnsinn kann dir nicht passieren, versagst du. Aber ich will nicht das du schon vorher aufgibst, hörst du?!"
Auf seine letzte Frage antwortete sie lediglich mit einem hastigen Nicken, ehe sie die Flasche geradezu an sich riss um daraus einen langen, gurgelnden Schluck zu nehmen. Dass es ihr nicht schmeckte, sei es nun des Saftes selbst wegen oder weil dieser mit dem Rauch zusammen eine schreckliche Kombination ergab, war nicht schwer zu erkennen. Als es geschafft war, sah sie ihn mit einem Blick an, der geradezu giftig war. Gedanken, doch noch hinaus zu gehen, hegte sie scheinends nicht mehr. Stattdessen hob sie ihren Finger und zeigte auf ihn. "Du... du alter Gockelhahn...! Du hast mich verarscht!" Einige Sekunden hielt sie ihren Blick noch aufrecht, dann jedoch begann sie schallend zu lachen, amüsiert. "Und ich dumme Gans bin natürlich in die Falle getappt!" Wieder fixierte sie ihn mit ihren Augen. Ihr Finger, der immernoch auf ihn zeigte, zuckte und fiel schließlich wieder auf den Rock. "Und dabei hast du mir im Sommer erst erklärt, dass ich mich nicht täuschen lassen soll. Jaja, ich weiß... ich muss zwischen die Bilder sehen, die du mir zeigst, nicht wahr? So, wie ich durch die realen Personen hindurch sehen soll. Ja, daran dachte ich nicht mehr, das gebe ich zu. Ich war viel zu beein-" da unterbrach sie ein erneutes Husten, "beeindruckt davon, überhaupt irgendetwas zu sehen, verstehst du? Ich gebe nicht so schnell auf, aber gib mir etwas Zeit." Sie verstummte wieder, mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen. Seine Worte behielt sie im Kopf, irgendwann würde sie ihn fragen, was es mit seiner Liebsten auf sich hatte...
Der Satyr mussterte sie einen Moment, reagierte auch nicht auf die erste anschuldigung. "Der Geist..." zischte er leise "meiner toten Gefährtin ist immer bei mir. Jede Sekunde. Sie ist hier bei uns, sie wollte dich eben noch berühren... Ich kann sie sehen... ich wollte, dass du sie auch siehst. Sie sollst du beachten, nicht die schönen Bilder und wie ich dich schon gewarnt hatte, die Bilder werden so schlimm, dass du nicht mehr hinsehen willst, wenn du nicht lernst den Trug zu durschauen. Die Wirklichkeit ist ein viel schlimmeres Trugbild. Meinst du wirklich ich sitze zum Spaß mit dir in einer dunklen Hütte im Nirgendwo? Dachtest du einen Moment ich verkrieche mich hier mit den Dirnen die mich in der Stadt nicht haben wollen weil sie Angst vor allzu fremden haben? Und vor... wahrer Größe?" Nun lachte er einen Moment dreckig. "Ich gebe dir den leichteren Weg vor. Nutze ihn. Siehst du nicht was andere dir vorliegen, bist du bereit die wahre Welt zu ignorieren."
Sie sah Fhenirr eine Weile lang an, ließ die Worte in ihrem Kopf umherwandern, um sie zu verstehen. "Wie soll ich den Weg nutzen, den du mir vorgibst, wenn ich ihn nicht sehen kann? Wie sehe ich hinter die Trugbilder um nach der Wahrheit zu greifen? Wie erkenne ich, was Wahrheit und was Lüge ist?" Sie wusste nicht so recht, ob der Sartyr ihr nicht etwas viel abforderte, immerhin war es die erste Übung dieser Art. Resignierend trank sie noch einen Schluck, verschloss das lederne Gefäß und ließ sich leise seufzend nach hinten fallen.
Der Satyr sah sie an, eindringlich. Die Fragen waren unnötig in seinen Augen, er erklärte es ihr dennoch nach einigen Augenblicken. "Erst... werde ich dir zeigen wo du hinsehen sollst. Dann, werde ich hinsehen und du musst meinem Blick folgen. Zuletzt, werde ich alles genau so machen wie eben." Er leckte über seine Lippen und kaute unvermittelt auf irgendetwas herum. "Ich will, das du dir noch einmal überlegst, was du da tust. Es ist wie... schwimmen, du wirst immer schwimmen wenn du es einmal kannst, aber du willst dann auch nicht mehr ertrinken wenn es dir zu viel wird. Du wirst immer weiter schwimmen, dein Herz sagt nein, dein Kopf wird ja sagen und wenn du die Geister siehst die ich sehe, bist du vielleicht nie wieder allein." Der Satyr erob sich, er war voller Gras und Stroh im Fell.
Nie wieder allein... der Gedanke ging ihr durch den Kopf, während sie ihn betrachtete. Es vergingen einige Sekunden, in denen sie zunächst unzufrieden die Stirn in Falten legte, dann aber blinzelnd nachdenklich schien und schließlich grinste.
"Vielleicht liegt es daran, dass ich... noch zu viele Erwartungen habe. Ich wollte unbedingt etwas sehen und habe nach dem Bild, das du mir gegeben hast, gegriffen und mich daran festgekrallt. Und so war ich... nicht offen genug für das, was ich eigentlich hätte finden müssen. Oder ist es sogar gut, dass ich nun weiß, dass du mir "sie" zeigen willst und nach ihr zwischen den anderen Bildern suchen werde? So als... kleine Starthilfe?" Sie grinste vorsichtig. Einen zweiten Versuch würde sie noch wagen, wenn er es drauf ankommen ließe. Wenn er nun aber aufgestanden war um sie hinaus zu werfen - auch gut. Hier drin stank es wirklich fürchterlich, wie ihr eben auffiel.